Predigten

Monatsspruch für den März 2020:
Jesus Christus spricht: „Wachet“! (Markus 13, 37)

 

Lieber Gemeindebriefleser,

Johann Sebastian Bach hat eine wunderschöne Kantate zu dem Lied von Philipp Nicolai aus dem Jahr 1599 „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ geschrieben. Ich höre mir diese im Internet von Zeit zu Zeit an. In dem Lied kehrt das Motiv der klugen und der törichten Jungfrauen aus dem Gleichnis Jesu wieder: Die einen haben sich vorbereitet auf die Rückkehr des Herrn, die anderen aber haben in den Tag gelebt und sind nicht reisefertig. So ruft Jesus uns als Christen an vielen Stellen im Evangelium auf, wachsam und bereit zu sein, wenn er als der Herr der Zeit einmal wiederkommen wird.

Nun gelten wir als Deutsche nicht gerade als sehr ausgeschlafen und aufgeweckt. Der deutsche Michel wird gerne mit Zipfelmütze und Schlafgewand in Karikaturen dargestellt. Er schläft, während sich die Welt ständig weiterdreht und sich schlagartig verändert. Erst nachdem schon alles passiert ist, wacht er aus seinem Schlaf auf.

„Wachet“! Jesus ruft seine Nachfolger aber gerade dazu auf, nicht schläfrig zu sein, sondern die Zeichen der Zeit zu erkennen und wachsam auf seine Rückkehr zu warten.  In dem Bildwort aus dem Markusevangelium schildert er, wie ein Gutsherr seinen Hof den Angestellten überlässt und auf Reisen geht. Niemand weiß, wann der Herr wiederkommen wird. Aber bis zu seiner Rückkehr sollen die Angestellten den Hof bestmöglich verwalten und auf den Herrn warten. Niemand kennt den Zeitpunkt außer Gott allein. Deshalb sollen wir aber gerade wachsam sein. Jesus verwendet für das deutsche Wort „Wachen“ zwei verschieden griechische Worte: Das eine Wort kann mit „auf der Hut sein“ und das andere mit „schlaflos wachen“ übersetzt werden. Früher wurde dieser Aufruf Jesu wortwörtlich genommen und in den Klöstern umgesetzt. Denn ein Mönch wurde von den Brüdern abgestellt, dass dieser wachte, um die Wiederkehr des Herrn ja nicht zu verpassen. So wurde im Kloster Tag und Nacht auf den Herrn gewartet und gewacht.

Nun wird das für uns heute lebende Menschen wohl schwierig werden, einen aus unserer Mitte als Wache auf die Wiederkunft Jesu Christi abzustellen.  Wir sind heutzutage fest in unseren Aufgaben und der Arbeit eingebunden. Unser Alltag findet nach festen Regeln und Zeitabläufen statt. Und trotzdem ist es hilfreich, von Zeit zu Zeit aus dem Käfig der scheinbaren Zwänge auszubrechen und das Eigentliche wieder in den Blick zu nehmen. Und das Eigentliche ist für uns Christen Jesus Christus!

Im Kirchenjahr gehen wir auf die Passionszeit und das Osterfest zu. Bevor Jesus im Garten Gethsemane von den Soldaten festgenommen wurde und seinen Leidensweg ging, rief er seine Jünger auf zum Wachen und zum Beten. Das Beten ist sicher eine wichtige Ergänzung zum Wachen. Im Gebet halte ich Kontakt zum wiederkehrenden Herrn.

In diesem Jahr 2020 wird, vermute ich, noch sehr viel passieren. Bleiben wir also bereit im Wachen und Beten.

 

Es grüßt Sie herzlich, Ihr Andreas Stöcker